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Cantianstraße 24: Pässe ins Nichts

1. FC Union Berlin II vs. FC Carl Zeiss Jena 0:1 (0:1)
September 14, 2012 | Zuschauer: 597 | Bildergalerie

An der Cantianstraße 24

Für die zweite Mannschaft des 1. FC Union Berlin konnte das Spiel gegen den FC Carl Zeiss Jena im Vorfeld getrost als eines der Highlights dieser Regionalliga-Saison bezeichnet werden. Jena ist ein Traditionsverein, und es war zu erwarten, dass viele Union-Fans ihr Team gegen den thüringischen Rivalen sehen wollten.

Jena-Fans können mit glasigen Augen zurück blicken: ihr Verein gewann drei DDR-Meistertitel und erreichte 1981 sogar das Europapokalfinale, in dem man Dynamo Tiflis nur knapp mit 1:2 unterlag. Die jüngere Vergangenheit verlief jedoch bescheidener: der Verein bewegte sich nach der Wiedervereinigung zwischen zweiter und vierter Liga, und nach zuletzt vier wackeligen Jahren Drittklassigkeit ist Jena mittlerweile in der Regionalliga Nordost angekommen.

Carl Zeiss ist bekannt für eine treue, reiselustige Anhängerschar. Beim letzten Pflichtspiel gegen Unions erste Mannschaft vor etwas mehr als drei Jahren war der Gästeblock gut gefüllt:

Jena-Fans 2009

Gespielt wurde damals im Jahn-Sportpark, da die Alte Försterei umgebaut wurde. Und auch dieses Mal mussten die Jena-Fans auf das kompakte atmosphärische Stadion in Köpenick verzichten: Bau der Haupttribüne, Rasenschonung, Ligaveto – die Gerüchteküche zu den Gründen brodelte ebenso wie die Union-Fanseele, denn im Jahn-Sportpark fühlt sich ein Teil der Fans fremd. Auch wenn der Verein hier den Aufstieg in die zweite Liga feiern konnte, überwiegt für einige die Tatsache, dass hier einst ihr Erzrivale Erfolge feierte. Daher vermeidet Union den Namen des ungeliebten Stadions in der Außenkommunikation und formulierte schließlich vorsichtig, das Spiel würde „an der Cantianstraße 24 angepfiffen“.

Um diese herum war ein großes Polizeiaufgebot stationiert, schon an der Schönhauser Allee standen zahlreiche Einsatzwagen. Es sah in der Tat nach einem großen Spiel aus, die Einsatzleitung ging wohl von einem massiven Fanaufgebot aus.

Polizeipräsenz

Diese Annahme konnte sich jedoch bei einem Blick in das verwaiste Stadion nicht bestätigen: nur 597 zahlende Zuschauer fanden sich ein – etwa 8.000 weniger als vor drei Jahren. Stadion, Anpfiff am Freitagabend und zeitgleiches Spiel der ersten Mannschaft in Ingolstadt waren sicherlich Faktoren, die dem vermeintlichen Highlight den würdigen Rahmen nahmen.

Auch die bisherige Leistung ihres Teams hat wohl einige Jena-Fans daheim gelassen, aber immerhin 300 wagten den Trip nach Berlin

Jena-Fans 2012

Zwei Punkte aus zwei Spielen (gegen Magdeburg und den Berliner AK) sind für den Absteiger nicht genug. Das dritte Spiel in Zwickau blieb Carl Zeiss gleich zu Saisonbeginn verwehrt, da kurz vor Anpfiff Sabotage an der Gästetribüne festgestellt wurde. Bei Union II hätte man sich das im Nachhinein vielleicht auch gewünscht, denn nach zunächst zwei Unentschieden (bei RB Leipzig und gegen Cottbus II) verlor das Team in Zwickau deutlich mit 0:4.

Zur Stabilisierung der Defensive rückte daher der von den Profis in die U23 versetzte Daniel Göhlert in die Startaufstellung. Er war bereits im Spiel vor drei Jahren dabei (wie auch Marco Riemer und René Eckardt auf Seiten der Gäste). Damals ließ er hinten nichts anbrennen, heute wusste er mit dem einen oder anderen Fehlpass und eher bedächtigem Zurücklaufen danach aufzufallen.

Daniel Göhlert

Beide Mannschaften begannen sehr vorsichtig. Jena war leicht überlegen und spielte einige Ecken heraus, während sich Unions U23 nur zaghaft nach vorne traute. Es dauerte 30 Minuten bis zu ihrem ersten Torschuss durch Robert Herrmann, der für Björn Jopek auf der linken Seite spielte. Jopek war mit nach Ingolstadt gereist und erzielte dort sein erstes Tor für die Profis. Überhaupt erschienen Neuigkeiten von der ersten Mannschaft in der ersten Halbzeit deutlich interessanter als das Spiel vor Ort, aber nachdem sich Union I in letzter Minute geschlagen geben musste, lag es nun doch an der „Zweeten“, den Tag für die Heimfans zu retten.

Diese Hoffnung zerschlug sich jedoch kurz vor der Pause, als sich die Ereignisse im Strafraum um die konfuse Union-Abwehr überschlugen: nicht geahndetes Handspiel auf der Torlinie, Pfostenschuss und schließlich Elfmeterpfiff bildeten den Spannungshöhepunkt des Spiels. Matthias Peßolat versetzte Unions Kilian Pruschke und erzielte damit das einzige Tor des Abends.

Elfmeter für Jena

Jena beschränkte sich in der zweiten Hälfte darauf, die Führung zu verwalten, und auch wenn die thüringische Defensive insgesamt keinen sonderlich soliden Eindruck machte, brachten Unions kopflose Offensivaktionen mit vielen Pässen ins Nichts nur wenig Gefahr. Als in den letzten Minuten eisige Windböen auch noch starken Regen unter das Tribünendach peitschten, flohen viele der vom Spiel geplagten Zuschauer blitzartig. Nur einige Hartgesottene feuerten ihre Mannschaft unverdrossen weiter an.

Hartgesottene Union-Fans

Die bis dahin unüberdachten Jena-Fans wurden freundlicherweise in den angrenzenden Sektor gelassen, und konnten von dort entspannt den Abpfiff erleben. Auch vor drei Jahren wurde das Spiel durch einen Elfmeter entschieden, doch waren es damals noch die Union-Fans, die durch Torsten Mattuschkas Schuss in der 78. Minute jubeln durften.

Nach einem enttäuschenden Saisonstart warten somit beide Union-Teams noch auf ihren ersten Sieg. Die nächste Gelegenheit für Union II bietet sich am Sonntag, 23. September beim Berliner AK im alterwürdigen Poststadion während Jena die TSG Neustrelitz empfängt.

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This entry was posted on September 15, 2012 by in 1. FC Union Berlin II, Berlin, Deutsch, FC Carl Zeiss Jena, Ground, Jahn-Sportpark, Language, Regionalliga Nordost.

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