Groundhopping Etc.

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Das Ende vom Lied

Berliner AK 07 vs. TSV 1860 München 0:3 (0:1)
30. Oktober 2012 | Zuschauer: 2.403  | Bildergalerie

Die Mannschaften betreten das Feld

Vor der Pokalbegegnung gegen die zwei Klassen höher spielende Mannschaft von 1860 München präsentierte der Berliner Athletik Club 07 (BAK) seine neue Hymne: „Run BAK“ ein Hip Hop Song, der nach dem sensationellen 4:0 Erfolg gegen Erstligist TSG 1899 Hoffenheim entstanden ist. Eine Hip Hop Hymne hat Seltenheitswert im deutschen Fußball, ist aber sehr erfrischend und deutlich lebhafter als „Was wollen wir trinken 7 Tage lang“ – das Lied, das genauso gemütlich durch das Stadion der TSG dahin plätschert wie im August deren Mannschaft im Berliner Poststadion.

Der Zweitligist aus München sollte heute jedoch in einer ganz anderen Tonart aufspielen. Für die in Berlin wohnhaften Fans der 60er sind es Festwochen: drei Mal spielt ihre Mannschaft binnen kurzer Zeit in der Hauptstadt, an den ersten Versuch bei Hertha BSC (0:3) werden sie sich aber nicht so gerne erinnern.

Da es im heimischen Poststadion keine Flutlichtanlage gibt, muss der BAK das größte Spiel der Vereinsgeschichte im Jahnsportpark austragen. 50 Minuten vor Anpfiff sieht es in Stadionnähe aber noch nicht nach einem wichtigen Match aus, lediglich eine handvoll Löwen-Fans mit unverkennbar bayerischem Mundschlag verlässt gutgelaunt die U-Bahn an der Eberswalder Straße.

Nur langsam bewegt sich die Schlange am Einlass Am Stadion sieht es anders aus: vor dem Eingang der Haupttribüne bilden sich lange Schlangen die nur sehr langsam Einlass finden. Den Diskussionen um überhöhte Eintrittspreise und das geringe Zuschauerpotenzial des BAK zum Trotz finden am Ende doch mehrere tausend Fußballfreunde den Weg ins Stadion.

Überfüllte Haupttribüne
Die Haupttribüne ist zu Beginn überfüllt, die Zuschauer werden freundlich in die Kurve gebeten: „Leute macht die Treppen frei, sonst kommt die Polizei!“ Nicht allen, die für die Haupttribüne bezahlt haben, passt das: „Wie viele VIP hat denn bitte der BAK?“ fragt ein 60er Fan mit Blick auf die wenigen dort noch freien Plätze.

1860 will im Spiel früh Fakten schaffen, nutzt leichtsinniges Verhalten in der BAK-Defensive aber nicht konsequent aus. Die Berliner spielen munter mit und kommen zu guten Chancen, bei der ersten BAK-Ecke lassen die Gästefans trotzig verlauten, was sie von der Hauptstadt halten, später wird kurz der FC Bayern mit einem Gesang bedacht. Ansonsten bieten die Münchener das gesamte Spiel über Dauersupport, der hörbar aber unaufdringlich den Takt des Abends vorgibt. Auf der Haupttribüne erschallt zunächst ein Kinderchor: „BAK, BAK!“ (Kinder hatten freien Eintritt), ehe es zarte aber sehr kurze Gesangsversuche von einigen anwesenden Erwachsenen gibt („BAK!“, „Run BAK!“, „Hier regiert der BAK!“). Wie schon beim Hoffenheim-Spiel wird aber deutlich, dass es hier keine aktive Fanszene gibt.

Die Gästefans feiern den ersten Treffer der LöwenAuch die Megafonsirene eines der Antreiber wirkt sich nicht unbedingt positiv auf die Stimmung aus. Das Geschehen auf dem Rasen verpasst den BAK-Anhängern in der 38. Minute einen zusätzlichen Dämpfer: Moritz Stoppelkamp trifft aus abseitsverdächtiger Position für die Löwen und lässt den mitgereisten Gästemob fröhlich zündeln.

Zur Halbzeit kommen die Künstler der neuen BAK-Hymne zu Wort und animieren erfolglos das Publikum: „Macht mal Lärm hier!“, zudem gibt es einen spontanen Motivations-Rap für das Team. Wie schon vor dem Spiel ertönt neben „Run BAK“ auch noch einmal der „Gangnam Style“ des südkoreanischen Popphänomens PSY. Mehr scheint der DJ nicht auf der Festplatte zu haben, aber die Fans auf der Haupttribüne können damit augenscheinlich auch mehr anfangen als mit „Hier regiert der BAK!“.

My favorite referee: souverän und charmantDer zweite Durchgang beginnt intensiv, beide Mannschaften wollen gleich ihr Revier abstecken. Bibiana Steinhaus zückt mehrfach den gelben Karton – wie immer souverän, unbeeindruckt und mit einem charmanten Lächeln. Als der BAK in dieser Phase mehrfach gute Kontermöglichkeiten naiv vergibt bzw. sich gut eroberte Bälle zu einfach wieder abnehmen lässt, wird sichtbar, dass hier kein Berliner Tor mehr fallen wird. Kurz nach der Einwechslung des Ex-Unioners Philipp Malinowski, der gegen Hoffenheim noch zwei Tore vorbereitete, legen die Münchener nach:

Der völlig allein gelassene Moritz Stoppelkamp schlägt erneut zu und leitet eine Massenflucht von der VIP-Tribüne ein. Diese wird der Berliner Mannschaft jedoch nicht gerecht – bis zum Schluss bleibt sie dran, hat aber Pech mit dem letzten Pass.

1860 begnügt sich über weite Teile der zweiten Hälfte mit dem Nötigsten, kommt nach einem Konter kurz vor Abpfiff dennoch zum dritten Tor und wetzt die Scharte des ersten Berlinbesuchs aus. Für den BAK endet das Lied vom DfB-Pokal, wo es mit dem 2:0 Erfolg im Finale des Berliner Landespokals begann: im Jahnsportpark. Was bleibt, sind Erinnerungen an Hoffenheim und eine Hymne für die Ewigkeit, auch wenn Rennen allein heute nicht gereicht hat: „Run BAK!“

Die komplette Bildergalerie gibt es auf meiner facebook-Seite: www.facebook.com/GroundhoppingEtc

Spielende - Rennen allein hat nicht gereicht

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This entry was posted on October 31, 2012 by in Berlin, Berliner Athletik Klub 07, Deutsch, DfB Pokal, Germany, Jahn-Sportpark, TSV 1860 München.

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